Betrachtet man die Kultur einer Gesellschaft, wandert der Blick zwangsläufig auf deren vollbrachte Leistungen. Werte, die großen Persönlichkeiten vergangener Tage erschaffen haben. Die Kultur, in der wir glauben zu leben, ist schon längst geschehen. Unsere Sichtweise muss an die aktuellen Umstände angepasst werden.
Wir befinden uns in einem sich ständig wandelnden Prozess, der sich immer wieder hinterfragt und neu erfindet – heute, morgen, übermorgen. Neue Kulturen entstehen ständig und einmal sich ausgebreitete Ideen setzen sich über Grenzen hinweg fort. Andere Kulturen werden beeinflusst, und man sollte sich nicht davor verschließen. Die Menschen konnten in den vergangenen Jahrhunderten nicht vor der Aufklärung und dem Kommunismus fliehen, genau so wenig wie vor der Industrialisierung und dem Internet.
So wie der Barock die Renaissance ablöste, befinden wir uns heute in Zeiten eines Umbruchs. Es gibt keine Grenzen. Wir sind frei im Denken. In der Kunst ist alles erlaubt, und bestehende Tabus sind längs gebrochen. Man sollte annehmen, dass wir bereit sind, fremde Kulturen gleichwertig neben uns existieren zu lassen. Doch in diesen Tagen darf man daran zweifeln.
Jeder Mensch hat angst vor Menschen, die ihm fremd sind, deshalb müssen wir einen Schritt auf das Unbekannte zugehen und nicht versuchen, es von uns weg zu halten. Wir müssen den Menschen die Möglichkeit geben, ein Teil von uns zu sein. Heute sollten wir uns glücklich schätzen, dass wir Tür an Tür mit Nachbaren aus anderen Staaten, mit anderen Sprachen und Religionen leben dürfen. Dies wird uns die nächsten Jahre prägen. Weltweit werden die Gesellschaften enger zusammenrücken.
Multikulti ist schon länge kein Schimpfwort mehr, es ist unsere Zukunft. Eine Zukunft mit hoffentlich mehr Verständnis und Empathie – auch für den Muslimen von nebenan.


