Fake News – die zweite Wahrheit

5 AUSWERTUNG DER ERGEBNISSE 

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Auswertung des Tests. Hierbei werden nur die Fakten besprochen, welche das Ergebnis der durchgeführten Untersuchung sind. Zuallererst werden die persönlichen Daten des anonymen Tests wiedergegeben. Hierbei wird unterschieden in Teilnehmer, Geschlecht, Alter und Bildungsgrad. Die Ergebnisse der Auswertung befinden sich in der folgenden Tabelle (Tabelle 2: Umfrageteilnehmer). Anschließend werden die Ergebnisse der Befragung präsentiert. Der Unterabschnitt „5.1“ des Kapitels befasst sich näher mit den Ergebnissen des experimentellen Tests.

Tabelle 2: Umfrageteilnehmer

Teilnehmer166 Personen   22 Nationalitäten aus 12 Ländern: (Dänemark, Deutschland, Estland, Irland, Italien, Russland, Schweiz, Tatarstan, Tschechien, Uganda, Ukraine, Weißrussland)
Geschlecht männlich: 76 (relativer Anteil: 45,78 %)   weiblich: 90 (relativer Anteil: 54,22 %) europäische Population: 84 (50,6 %) männlich: 54 (64,3 %) weiblich: 30 (35,7 %) russische Population: 82 (49,4 %) männlich: 22 (26,8 %) weiblich: 60 (73.2 %)
Durchschnittliches AlterGesamt 27,76 Jahre   Männer 30,11 Jahre Frauen 25,78 Jahre
Bildungsgradohne Hochschulabschluss: 58 (34,94 %)   mit Hochschulabschluss: 108 (65,06 %)

Die angestrebte Internationalität der Befragung war durch die Übersetzung des Fragebogens erfolgreich. Durch die Verteilung in verschiedene Teilöffentlichkeiten wurden Menschen aus verschiedenen Nationen angesprochen. Ein Großteil der Teilnehmer verfügt nach eigenen Angaben über einen hohen Bildungsgrad. 

Die Befragung wurde beendet, als die Teilnehmeranzahl beider Populationen ein ausgeglichenes Verhältnis erreicht hatte. Der geschlechtsspezifische Unterschied konnte in beiden Gruppen jedoch nicht ausgeglichen werden. Allgemein nahmen mehr Frauen als Männer an der Umfrage teil. Ein Großteil davon ist der russischen Population zuzuordnen. 

„Abbildung 3“ und „Tabelle 3“ sind die ersten Ergebnisse des zweiten Teils der Umfrage. Der zweite Teil widmete sich der Einstellung der Menschen gegenüber den Medien und zwei verschiedene Selbstschätzungen.

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Tabelle 3: Fake News 1

AntwortenInsgesamtEuropäische Population (absolute Häufigkeit)Russische    Population (absolute Häufigkeit)
Ja1318348
Nein35134

Der hohe Anteil an „Nein“-Antworten kommt von der russischen Population. Die einfachste Begründung dafür ist, dass der Begriff „Fake News“ im Russischen nicht geläufig ist, daher negierten 41,46 % der „russischen“ Befragten die Antwort. In den westlichen Medien ist der Ausdruck „Fake News“ bereits Bestandteil des alltäglichen Sprachgebrauchs. 98,8 % der europäischen Population wissen daher, was Fake News sind.

Andere Umfragen haben bereits nachgewiesen, dass das Vertrauen in die Medien sinkt. In Bezug auf Fake News bot sich daher die Frage an: „Wie viel Prozent der Medien lügen Ihrer Meinung nach?“ Diese Frage lässt Rückschlüsse darauf zu, inwieweit die Menschen denken, dass die Medien Fake News aktiv verbreiten. Die Ergebnisse dieser Frage sind in „Abbildung 4“ und „Tabelle 4“ zu finden.

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Alle Antworten der gesamten 166 Teilnehmer bestätigen die Ergebnisse anderer Befragungen. Die Menschen vertrauen den Medien nicht mehr. Keiner der Befragten geht davon aus, dass die Medien nur die Wahrheit sagen. Etwas mehr als ein Drittel hat ein eingeschränktes Vertrauen zu den Medien. Der Rest der Befragten ist den Medien gegenüber eher bis sehr skeptisch.

Tabelle 4: Fake News 2

AntwortGesamt   (in Prozent) Europäische Population (absolute Häufigkeit)Russische    Population (absolute Häufigkeit)
0 %, die Medien Lügen nicht000
10 % bis 40 %37,954023
50 %, die Hälfte der Medien lügt22,891820
60 % bis 90 %36,752536
100 %, alle Medien lügen2,4113

Hierbei unterschieden sich die europäische und die russische Population. Während 47,62 % der Befragten der europäischen Population ein eingeschränktes Vertrauen in die Medien signalisieren, gaben dies nur 28,04 % der russischen Population an. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Meinungs- und Pressefreiheit in der Russischen Föderation als eingeschränkt gilt. In dem veröffentlichten Bericht „Rangliste der Pressefreiheit 2017“ von der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ belegt Russland Platz 148, Deutschland liegt auf Platz 16.

Bei der dritten Frage mussten die Probanden beurteilen, ob sie dazu in der Lage sind, eine gelesene Nachricht als Fake News zuerkennen. Dabei stellte sich heraus, dass weniger als die Hälfte der getesteten Personen denken, dass sie dies können. Hierbei zeigt sich wieder ein signifikanter Unterschied in den beiden getesteten Populationen. 68,29 % der befragten russischen Population sind sich nicht sicher. Hingegen antworten 57,14 % der europäischen Population auf die gleiche Frage mit „Ja“.

Tabelle 5: Fake News 3

AntwortenEuropäische Population (absolute Häufigkeit)Russische    Population (absolute Häufigkeit)
Ja4820
Nein186
Ich bin mir nicht sicher1856

Aus Abbildung 5 und Tabelle 5 sind die absolute und die relative Häufigkeit zu entnehmen. Nach der Kognitionspsychologie ist zu erwarten, dass die Menschen dazu neigen, Informationen danach auszuwählen, welche ihre eigenen Erwartungen erfüllen. Dieses Vorgehen nennt sich Bestätigungsfehler und wurde erstmalig von dem englischen Psychologen Peter Wason beschrieben. Es ist nicht anzunehmen, dass sich der Bestätigungsfehler durch den folgenden experimentellen Test belegen oder widerlegen lässt. Jedoch kann eine einfache Antwort gegeben werden, wie viele Probanden mit ihrer Selbsteinschätzung recht hatten. 68 Menschen gaben an, dass sie Fake News erkennen, wenn sie sie lesen, 14 davon lagen richtig (8,43 % der gesamten Teilnehmer). 13 Probanden sind der europäischen Population zuzuordnen. Acht davon waren Männer, sechs waren Frauen. Das durchschnittliche Alter lag bei 31,6 Jahren und somit höher als beim gesamten Durchschnitt.

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5.1 Ergebnisse des experimentellen Tests

Tabelle 6: Auflösung des experimentellen Tests

FrageLösungSchwierigkeitsindex
Riesenschnecken in MagdeburgFake71,08 (optimal)
Eine neue Insel bildet sich vor der Atlantikküste von North CarolinaKein Fake49,40 (optimal)
Hack the PlanetFake72,29 (optimal)
Sturm über MoskauFake94,58 (niedrig)
2. Juli 2017: München:Fake46,39 (optimal)

Der errechnete Schwierigkeitsindex gibt an, dass die selbst geschriebenen Fake News überwiegend so verfasst wurden, dass die Probanden optimale Schwierigkeiten bei der Beantwortung hatten. Die Kontrollfrage, welche an eine Meldung der BBC angelehnt ist, zeigt sogar, dass außergewöhnliche wahre Nachrichten unglaubwürdiger sind als ausgedachte. Da diese Nachricht genau aus diesem Grund ausgesucht wurde, ist ein wissenschaftlicher Rückschluss auf das Allgemeine nicht möglich. Daher kann hier nur von einem besonderen Fall ausgegangen werden.

Die Frage, die die meisten Probanden falsch beantwortet haben, war die einzige selbst erstellte Fake News, welche mit einer falschen Quelle versehen wurde. Es ist daher anzunehmen, dass die Glaubwürdigkeit einer Fake News allein dadurch erhöht werden kann, wenn sie mit einer unabhängigen bekannten Quelle veröffentlicht wird. Das Experiment zeigt, dass es in dem Fall nicht notwendig ist, durch einen Link auf diese Quelle zu verweisen. Dennoch kann das Ergebnis anhand einer Frage nicht absolut bestätigt werden – dazu müsste der Inhalt der Fake News unabhängig von der Quelle in einer zweiten Versuchsreihe getestet werden. Aufgrund der zeitlichen Begrenzung bei der dieser Arbeit wurde von einer zweiten Versuchsreihe abgesehen.

In Tabelle 7 wurden die richtigen und die falschen Antworten der Probanden analysiert. Die gewonnenen Daten zeigen, dass die Probanden, die keine Fahler im Test gemacht haben, vermehrt der europäischen Population zuzuordnen sind (22 Probanden). 26 von 166 getesteten Personen (15,66 %) machten keine Fehler. Die Hälfte dieser Gruppe waren Frauen, und ebenfalls die Hälfte der 26 Personen hatte keinen Hochschulabschluss. Dies entspricht einem Anteil von 22,41 % der entsprechenden Gruppe. Damit haben diese Probanden proportional gesehen besser abgeschnitten als Probanden mit Hochschulabschluss (12,04 %). Diese Zahlen sind jedoch nicht aussagefähig, da sich die Teilnehmergröße beider Gruppen stark differenziert. Um zu bestätigen, dass Menschen ohne Hochschulabschluss Fake News besser erkennen, müsste die Gruppengröße angepasst werden. Angesichts der temporalen Begrenzung wurde auch hier auf eine Anpassung der Gruppengröße verzichtet.

Es gibt jedoch ein zweites Indiz dafür, dass Fake News unabhängig vom Bildungsgrad erkannt werden können. Es gab keine Person, die alle Fragen falsch beantwortet hat. Dieser Wert ist in Anbetracht der Umfragegröße statistisch unwahrscheinlich. Rät man bei allen Fragen, so ist die Wahrscheinlichkeit, alles richtig zu beantworten, größer gleich 1/32. Drei Personen beantworteten vier Fragen falsch. Jeder dieser drei Personen gab an, einen Hochschulabschluss zu haben. Der Altersdurchschnitt liegt bei dieser Gruppe mit über 30 Jahren etwas höher als bei der anderen Gruppe, auch ist hier das Vertrauen in die Medien höher. Doch konkrete Aussagen können anhand von drei Personen nicht getroffen werden. Maximal ist eine gewisse Tendenz erkennbar. Um diese Gruppe genauer zu untersuchen, müsste die gesamte Teilnehmer zahl der Umfrage deutlich erhöht werden.

Alle Fragen richtig                   Tabelle 7: Umfrageanalyse
26 Personen (15,66 %)   (13 Männer, 13 Frauen) im Durchschnitt 29,31 Jahre 22 aus der europäischen Population 4 aus der russischen Population 13 Personen ohne Hochschulabschluss    (5 Männer, 8 Frauen) im Durchschnitt 28,48 Jahre 11 aus der europäischen Population 2 aus der russischen Population
Eine falsche Antwort 
51 Personen (30,72 %)   (20 Männer, 31 Frauen) im Durchschnitt 26,73 Jahre 29 aus der europäischen Population 22 aus der russischen Population 17 Personen ohne Hochschulabschluss   (7 Männer, 10 Frauen) im Durchschnitt 26,35 Jahre 12 aus der europäischen Population 5 aus der russischen Population
Zwei falsche Antworten 
48 Personen (28,92 %)   (27 Männer, 21 Frauen) im Durchschnitt 28,13 Jahre 19 aus der europäischen Population 29 aus der russischen Population 19 Personen ohne Hochschulabschluss    (11 Männer, 8 Frauen) im Durchschnitt 28 Jahre 10 aus der europäischen Population 9 aus der russischen Population
Drei falsche Antworten 
38 Personen (22,89 %)   (14 Männer, 24 Frauen) im Durchschnitt 27,39 Jahre 12 aus der europäischen Population 26 aus der russischen Population 9 Personen ohne Hochschulabschluss    (3 Männer, 6 Frauen) im Durchschnitt 22,22 Jahre 5 aus der europäischen Population 4 aus der russischen Population
Vier falsche Antworten 
3 Personen (1,81 %)   (2 Männer, 1 Frauen) im Durchschnitt 30,67 Jahre 2 aus der europäischen Population 1 aus der russischen Population 0 Personen ohne Hochschulabschluss 
Alle Fragen falsch beantwortet: 0 Personen 
Durchschnittliche Anzahl von Fehlern pro Person: 1,66
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Riesenschnecken in Magdeburg

Die ganze Stadt ist aufgeregt. Der August rückt immer näher und das berühmte Straßenbahnenfest steht vor der Tür. Dieses Jahr sollen für die feierliche Parade Schneckenhäuser auf den bunt geschmückten Straßenbahnen installiert werden. Im Gegenzug muss jedoch das große Feuerwerk wegen immenser brandschutztechnischer Sicherheitsbedenken abgesagt werden.

Die erste Testfrage ist im eigentlichen Sinne keine Fake News. Die ausgedachte Nachricht hat vielmehr satirischen Charakter. Dies zeigt offen der Vergleich von öffentlichen Verkehrsmitteln mit Schnecken. Satire wird jedoch selten von allen Lesern erkannt, oft ergibt sich Verwirrung aus satirischen Beiträgen. 23,92 % der Probanden werteten diese Nachricht als einen glaubwürdigen Bericht und waren daher enttäuscht über die Absage des Feuerwerks. Ein zweiter Grund dafür, dass die Nachricht nicht erkannt wurde, ist der lokale Bezug. Es ist absolut möglich, dass eine Stadt ein derartiges Straßenbahnfest veranstaltet. Ein großer Anteil der Befragten erkannte die Nachricht als Fake News.

Observabel ist die Anzahl an Probanden, die die Fake News erkannt haben und trotzdem lesen wollten (Abbildung 6). Es ist zu erwarten, dass sie diese Nachricht als Satire erkannten und weiter unterhalten werden wollten; abgefragt wurde diese Vermutung aber nicht. Hier ist die Tendenz der Medienkonsumenten zu erkennen, beim Lesen von Nachrichten nicht nur über bestimmte Tatsachen informiert, sondern auch unterhalten werden zu wollen. 

Tabelle 8: Fake News 4

AntwortenEuropäische Population (absolute Häufigkeit)Russische    Population (absolute Häufigkeit) Gesamt   (in Prozent)
Fake News485059,04
Kein Fake212728,91
Fake, will ich aber…15512,05

Beide Populationen haben in etwa gleich erkannt, dass es sich bei der ersten Testfrage um eine Fake News handelt (siehe Tabelle 8). Dies bestätigt das Ergebnis in seiner allgemeinen Form. Weitere Rückschlüsse sind vorerst nicht zu ziehen.

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Eine neue Insel bildet sich vor der Atlantikküste von North Carolina

Die neuentstandene Insel ist etwa eine Meile lang. Ihre Länge variiert jedoch je nach Gezeiten- und Wetterlage. Sie ist vom Festland durch einen 100 Meter breiten Kanal getrennt. Der örtliche Historiker Danny Couch sagt, dass die Insel mit alten Schiffswracks und Walknochen, die noch im Sand feststecken, übersät sei.

Die zweite Testfrage bildete die Kontrollfrage. Mehrere Medien berichteten weltweit über das Auftauchen der Insel. Es ist anzunehmen, dass ein kleiner Teil der Befragten die Nachricht bereits in anderen Medien gelesen hatte und sie dadurch glaubwürdig empfand. Die Ergebnisse (Abbildung 7) zeigen jedoch eine konträre Aussage. Die Kontrollfrage wurde von den Probanden kontrovers beurteilt. 43,98 % beurteilten die Nachricht als Fake News. Dies ist zum einen darauf zurückzuführen, dass es für viele Menschen unwahrscheinlich erscheint, dass sich plötzlich eine Insel im Meer bildet. Da die Nachricht weltweit durch die Medien ging, ist davon auszugehen, dass es unkonventionell ist, wenn eine Insel aus dem Meer auftaucht, somit ist eine Verwirrung der Umfrageteilnehmer verständlich.

In Tabelle 9 sind die Ergebnisse der Kontrollfrage nach Populationen unterteilt. Hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied. Die russische Population beurteilt die Nachricht zu 65,85 % als Fake News. Die Ursache dafür ist unklar und kann nur vermutet werden.

Tabelle 9: Fake News 5

AntwortenEuropäische Population (absolute Häufigkeit)Russische    Population (absolute Häufigkeit) Gesamt   (in Prozent)
Fake News195443,97
Kein Fake592349,4
Fake, will ich aber…656,63
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Hack the Planet

Samsung sagt Apple den Krieg an

Seoul: Nie wieder nach dem Passwort fragen – überall kostenloses Internet. Das neue Samsung Galaxy Note 8 kann das und noch viel mehr. Das Galaxy Note 8 verbindet sich automatisch mit allen verschlüsselten WLAN-Netzwerken weltweit. Langfristig will der Elektronikriese die SIM-Karte überflüssig machen und eine neue Ära der Kommunikation einleiten.

Die dritte Frage des experimentellen Tests ist eine Mischung aus Fake News und Werbung. Es ist davon auszugehen, dass gut formulierte Fake News, die sich als Werbetexte tarnen, von den Konsumenten weniger erkannt werden. Dies kann durch die Frage allein aber nicht bewiesen werden. Ein Grund dafür ist, dass es rechtswidrig ist, sich unbefugt in gesicherte WLAN-Netzwerke einzuwählen. Ein Teil der Befragten ist sich dessen wahrscheinlich bewusst. In Abbildung 8 ist dargestellt, dass insgesamt 72,29 % der Befragten die Nachricht als Fake News erkannten. 

Wie bei der ersten Nachricht des Tests zeigt sich bei Nachricht drei ein ausgeglichenes Ergebnis in beiden Populationen (Tabelle 10). Auch hier sprechen die Zahlen dafür, dass Fake News ohne besonderes Wissen allein durch deren Inhalt erkannt werden können. Es ist davon auszugehen, dass die meisten Fake News allein durch ihren Stil und Grad an Absurdität erkannt werden können, noch dazu verfolgen die meisten Fake News ein bestimmtes Ziel, häufig eines politischer Art, oder sie dienen der Verbreitung von Verschwörungstheorien. Hier ist aber davon auszugehen, dass ein Großteil dieser Verschwörungsnachrichten von deren Autoren ernst genommen wird.

Tabelle 10: Fake News 6

AntwortenEuropäische Population (absolute Häufigkeit)Russische    Population (absolute Häufigkeit) Gesamt   (in Prozent)
Fake News535766,27
Kein Fake242227,71
Fake, will ich aber…736,02
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Sturm über Moskau

Der amerikanische Imperator schickt die ersten Chaimtrail- Kampfflugzeuge nach Russland.

Die vierte Nachricht des Tests beruht auf einer zum Teil wahren Aussage. Anfang Juli 2017 gab es einen schweren Sturm über Moskau. Außerdem beinhaltet die Nachricht zwei Media-Frames, die sie einer bestimmten Richtung zuordnen. „Amerikanischer Imperator“ und „Chaimtrail“ weisen darauf hin, dass es sich bei dieser Nachricht um einen Teil einer Verschwörungstheorie handelt. Es ist davon auszugehen, dass diese Nachricht nur von Probanden als glaubwürdig empfunden wird, die selbst an diese Theorien glauben. In Abbildung 9 ist zu sehen, dass 94,58 % der Probanden ohne Weiteres erkannt haben, dass es sich hier um eine Fake News handelt. Dieses Ergebnis ist das höchste im gesamten Test. Es beweist, dass die Fake News am einfachsten erkannt werden, wenn sie völlig absurd sind.

Die Befragung gibt aber auch Aufschluss darüber, wie hoch der Anteil an Personen ist, die diese Art von Theorien als wahr beurteilen. Rückschlüsse auf die gesamte Bevölkerung können hier nicht zweifelsfrei gezogen werden. Aufgrund der Größe der Umfrage wird der tatsächliche Anteil in einem ähnlichen Bereich liegen. 5,42 % der Probanden glauben demnach an die Kontrolle des russischen Wetters durch die US-Armee. Deutschlandweit gehen zum Beispiel Reichsbürger oder Anhänger der AfD davon aus, dass das Wetter mithilfe von Chemikalien, die von Flugzeugen versprüht werden, erschaffen wird. Auch andere gesellschaftliche Randgruppen glauben an diese Theorie. Ein fünfprozentiger Anteil ist daher nicht unwahrscheinlich.

Die Frage zeigt zudem einen Unterschied in den getesteten Populationen. 13,09 % der befragten „Europäer“ erkannten die Nachricht als Fake News, dennoch wollten sie die Nachricht weiterlesen. In der russischen Population liegt dieser Wert nur bei 2,44 % und ist damit deutlich geringer. Durch persönliche Rückmeldungen auf die Umfrage ist davon auszugehen, dass die Verschwörungstheorie der Chaimtrails in Russland weniger verbreitet ist. Zum anderen ist davon auszugehen, dass die Menschen aus Russland schnell davon erfahren würden, wenn amerikanische Kampfflugzeuge die Hoheitsrechte ihrer Nation massiv verletzen würden. In Tabelle 11 sind die absoluten Häufigkeiten zu dieser Frage weiter aufgeschlüsselt.

Tabelle 11: Fake News 7

AntwortenEuropäische Population (absolute Häufigkeit)Russische    Population (absolute Häufigkeit) Gesamt   (in Prozent)
Fake News677786,75
Kein Fake635,42
Fake, will ich aber…1127,83
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2. Juli 2017: München:

Interne Untersuchungen stellen fest: „7 % aller Polizeibeamten in Bayern positiv auf Kokain getestet.“ (Quelle Tagesschau)

Die fünfte und letzte Frage des experimentellen Tests unterscheidet sich von den vorhergehenden dadurch, dass die Fake News mit einer gefälschten Quelle angegeben wurde. In Abbildung 10 ist leicht zu erkennen, dass allein die Angabe einer vertrauenswürdigen Quelle dazu führt, dass ein Großteil der Leser einer Fake News verwirrt wird. Zum anderen kann das Ergebnis auch an bestehendem Ressentiment gegenüber staatlichen Sicherheitskräften sowie einer schwer gegenteilig zu beweisenden Behauptung liegen.

Das Ergebnis dieser Frage müsste in einer weiteren Testreihe bestätig werden. Hierbei müsste dieselbe Frage ohne Angabe der Quelle gestellt werden; dazu müsste weiter überprüft werden, inwieweit die Angabe einer unabhängigen Quelle eine gefälschte Nachricht glaubwürdiger macht. Dazu sollte überprüft werden, ob es eine Rolle spielt, dass die Quelle vertrauenswürdig ist, oder ob die bloße Angabe einer beliebigen Quelle ausreicht, um den Konsumenten von deren Glaubhaftigkeit zu überzeugen. Viele Fake News, die heute in sozialen Netzwerken geteilt werden, machen sich genau dies zunutze. Oft werden Quellen angegeben, die falsch sind, ohne weitere Verlinkung oder Querverweis zu deren Auffindung. Die Verbreitung einer solchen Nachricht ist eine gesetzwidrige Handlung. Unternehmen, die fälschlicherweise als Quelle angegeben werden und dadurch Schaden erleiden, können dagegen rechtliche Schritte einleiten.

Weniger als die Hälfte der Probanden erkannte die Nachricht als Fake News. In der russischen Population war der Anteil derer, die die Nachricht für glaubwürdig hielten, höher (64,63 %) als in der europäischen (52,38 %). In Russland ist die deutsche Tagesschau durchaus bekannt und wird von Teilen der Bevölkerung als alternative Quelle zu russischen Medien benutzt. Daher kann mit dieser Frage zum Teil bewiesen werden, dass die reine Angabe einer beliebigen Quelle die Glaubwürdigkeit beeinflusst. 

In Tabelle 12 ist dargestellt, dass ein Teil der europäischen Population die Fake News erkannt haben, sie aber trotzdem lesen wollten. Insgesamt wurde die Option „Fake, will ich aber trotzdem lesen“ häufiger von der europäischen Population gewählt.

Tabelle 12: Fake News 8

AntwortenEuropäische Population (absolute Häufigkeit)Russische    Population (absolute Häufigkeit) Gesamt   (in Prozent)
Fake News402941,57
Kein Fake375253,61
Fake, will ich aber…714,82

Eine Zusammenfassung und Bewertung finden Sie hier.


1 EINLEITUNG
1.1 Thematische Abgrenzung
1.2 Forschungsfrage
1.3 Methodik und Aufbau

2 GRUNDLAGEN ZU FAKE NEWS
2.1 Status quo
2.1 Definitionen
2.3 Theorie
2.3.1 Effekte

3 UMFELD
3.1 Rechtsgrundlagen
3.2 Unternehmen
3.2.1 Traditionelle Medien
3.2.2 Social Media
3.2.3 Alternative Medien
3.3 Journalismus
3.3.1 Russia Today
3.3.2 Breitbart
3.4 Politik
3.4.1 Parteien
3.5 Lobbyismus
3.5.1 Public Relations
3.6 Konsumenten

4 EMPIRISCHE UMFRAGE
4.1 Forschungsdesign
4.2 Datenerhebung und Datenaufbereitung
4.3 Datenauswertung
4.4 Berichtlegung

5 AUSWERTUNG DER ERGEBNISSE